Weniger ist mehr: Das Lebensmotto für ein minimalistisches Leben

Weniger ist mehr

„Weniger ist mehr“, ist nicht nur ein einfaches Sprichwort! Mit etwas Einfallsreichtum können wir es zu unserem Lebensmotto machen! in diesem Blogbeitrag erfährst du, was mein vollgepacktes Fahrrad mit Minimalismus zu tun hat und warum weniger manchmal tatsächlich mehr ist. 

Weniger ist mehr: Minimalismus in der Praxis angewandt 

Häufig schmunzeln die Leute, wenn sie meinen vollbepacktes Fahrrad sehen und ich von Minimalismus rede — wie soll denn das zusammen passen? Im Prinzip ist es ganz einfach: überlege einmal alles was du besitzt müsste auf ein Fahrrad passen! Ich wette, da würden die meisten schon nach kurzer Zeit die Flinte ins Korn werfen. Doch bei mir ist es tatsächlich so: alles was ich für ein halbes Jahr zum Leben brauche, habe ich dabei! Und ich gebe offen zu: ich könnte noch auf einiges verzichten! Die wahren Gründe, warum ich so viel Gepäck dabei habe sind ziemlich offensichtlich.

1.) Den Hunde-Anhänger und das Hundefutter brauche ich nur wegen meinem vierbeinigen Begleiter, meinem Husky Rocky
2.) Und die etwas übertriebene Beladung erklärt sich hauptsächlich dadurch, dass ich ohne eigenes Geld reise. Das bedeutet immer wenn mir jemand etwas schenkt, nehme ich es dankbar an – auch wenn es ein Kilo Reis ist. Die Hilfsbereitschaft der Menschen auf meinen Reisen war teilweise so groß, dass mir fast das Fahrrad zusammengekracht ist. Da hast du also den Grund für die Überbeladung: Die Welt ist unglaublich nett!

Würde ich mit Geld reisen, könnte ich sicherlich noch die Hälfte von dem was ich dabei verzichten! Dann bräuchte ich kein Zelt mehr, keinen Schlafsack mehr und so weiter. Auch 1 KG Reis wäre dann wahrscheinlich nicht mehr im Handgepäck (schade um den Reis!).

Doch wie du sehen kannst, selbst bei meiner übertrieben Beladung schaffe ich es, nahezu meinen kompletten Besitz auf einem Fahrrad unterzubringen – wer kann das schon von sich behaupten?

Klar, gibt es da draußen noch einige Radler-Profis, die das Motto: „Weniger ist mehr“ noch engagierter betreiben, das steht außer Frage! Die sogenannten „Bikepacking“-Enthusiasten haben es sich zur Aufgabe gemacht, mit minimalstem Minimal-Gepäck zu radeln.  Unglaublich, aber wahr: Sie haben wirklich fast nichts dabei!  Als ich einmal einen Bikepacking-Radler auf meiner Radreise ohne Geld durch Großbritannien traf, konnte ich es kaum glauben, denn er kam von Inverness und machte fast dieselbe Tour wie ich und hatte nichts dabei! Er sah überhaupt nicht aus, wie ein Radreisender! Als ich ihn fragte, wie er das denn mit der Wäsche machen würde, sagte er: „Wenn mein T-Shirt dreckig ist, schmeiß ich es in die nächste Mülltonne und kaufe mir in einem Second-Handshop ein neues für ein paar Pfund. Das ist günstiger, als die Waschmaschine.“  Er hatte also wirklich keine Kleidung dabei, außer dem was er am Leib trug. 

Wenn du dir diese Bikepacking-Fahrräder einmal ansiehst, wirst du dort in der Regel nicht einmal eine einzige Satteltasche finden! Das Ziel ist, die eigenen Touren mit minimalster Beladung zu rocken, sodass das Fahrgefühl einem unbeladenen Fahrrad gleicht und man auch durch das Gelände fahren kann. So etwas wie eine Klingel oder einen Fahrradständer wirst du dort vergeblich suchen.

Die wenigsten der federleichten Radler sind jedoch in kalten Klimazonen unterwegs, dauerhaft ohne Unterkunft, oder auf monatelanger Reise. Schließlich hat keiner Lust, wegen einem leichten aber zu dünnen Schlafsack zu frieren. Und ich gebe ganz offen zu: Unter solchen Rahmenbedingungen würde auch ich ohne zu zögern zum Leichtkraftradler werden! Das coole ist jedoch, dass wir das Motto „Weniger ist mehr“ nicht nur auf das Radreisen beziehen können, sondern auf alles mögliche. 

Weniger ist mehr: Lebensstil und Rückkehr zum Wesentlichen

Bei mir hat es ziemlich lange gedauert, bis ich den Mut hatte mich soweit zu reduzieren, dass mein ganzer Besitz auf ein Fahrrad passt! Als bestausgebildeter Ingenieur geriet ich 2016 in eine Sinnkrise, als ich feststellen musste dass jede Woche 40 Stunden im Büro zu sitzen nichts mit meinem Traumleben zu tun hatte. Doch was dann? Zum Leben braucht man Geld Und davon nicht wenig! 1000 € sind im Monat schnell weg, ohne dass man großartig etwas gemacht hat — und als ich mir eine unbezahlte Auszeit nahm konnte ich sprichwörtlich zu sehen, wie mein Kontostand dahin schmolz. 

Erst als ich herausfand, das mein größter Traum das Reisen, entschloss ich mich eine ziemlich pragmatische Entscheidung zu treffen. Ich kündigte meine Wohnung! Dieser Schritt hat mich super viel Überwindung gekostet! Doch als ehrlich zu mir war, realisierte ich: ein fester Wohnsitz ist für einen passionierten Weltreisenden nur ein Klotz am Bein. Seitdem bin ich in der Welt zu Hause und folge dem Motto:

„Home is, where your Heart is“

Solange ich mich an einem Ort wohl fühle, bleibe ich. Wenn mein Herz mir sagst: Es ist Zeit für neue Abenteuer, dann folge ich dem Ruf. Diese Freiheit ist für mich etwas wunderbares. Für viele andere Menschen ist das schwer nachzuvollziehen, denn sie fühlen sich in der Sesshaftigkeit frei. Was das anbelangt, tickt jeder Mensch anders. Doch meine Vorfahren müssen wohl Seefahrerer oder Nomaden gewesen sein. Anders kann ich mir den Entdeckergeist und das andauernde Fernweh nicht erklären.

Weniger ist mehr: Synonym für einen minimalistischen Lebensstil?

Der Spruch „weniger ist mehr“, geht noch einiges über einen minimalistischen Lebensstil hinaus, denn wir können ihn im Prinzip auf alles anwenden. Wir können weniger und dafür besser essen, können weniger Zeit vor dem Smartphone verbringen und dafür mehr mit netten Menschen, können weniger Geld ausgeben und dafür mehr Freizeit haben. Alles was wir dafür tun müssen ist unsere Prioritäten neu zu ordnen und etwas Mut und Entschlossenheit zur Veränderung zu haben.

Für mich bedeutet die größte Freiheit, die Taktung herauszunehmen. Über 10 Jahre war mein „Stundenplan“ von außen vorgegeben. Heute ist das anders, denn ich kann mir meine Zeit frei einteilen,  kann selbst bestimmen, wieviele Kilometer ich am Tag radele, wann ich aufstehe, schlafen gehe und wo ich mein Zelt aufbaue. Ich habe mich mittlerweile so sehr an diese Freiheit gewöhnt, dass sie etwas Selbstverständliches für mich geworden ist und ich es mir gar nicht mehr anders vorstellen kann. Zugegeben: Ohne ein festes Raster von außen zu leben, ist es am Anfang gar nicht so einfach. Denn dann müssen wir selbst unseren Tag planen, um die Dinge die uns wichtig sind voran zu bringen. Es gibt viele Leute, die sterben kurz nachdem sie in Rente sind, weil sie nichts mehr mit sich selbst anzufangen wissen. Sie sind es nicht gewohnt, ohne ein festes Raster von außen zu leben – ist das nicht traurig?

Häufig werde ich auf meinen Reisen gefragt, ob ich auch etwas arbeiten würde, da sie über mehrere Monate gehen und sich das im klassischen Modell der Festanstellung nicht realisieren lassen würde. Deshalb arbeite ich während meiner Reisen ziemlich viel und schreibe Bücher, nehme Videos auf oder bin hier auf meiner Webseite zu Gange. Doch das macht mir dann Spaß, denn ich liebe das Schreiben und die Worte fließen fast von alleine aufs Papier. Die Taktung von außen ist also nahezu komplett weg. Ich weiß manchmal nicht mal, welcher Wochentag ist und ich genieße es! Ich brauche auch kein Wochenende mehr um mich zu erholen, denn ich kann mir die Erholung dann nehmen, wenn ich sie brauche und wenn ich inspiriert bin auch am Sonn- und Feiertag ein paar Zeilen zu Papier bringen. Sich auf diese Weise eine Existenz aufzubauen, benötigt eine gesunde Portion Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen – wer mich schon länger verfolgt, weiß das. Doch die Ausdauer ist es am Ende wert, insbesondere wenn man ein Freigeist ist, wie ich.

Weniger ist mehr Buchtipp

Wie steht es mit dir? Hast auch du Lust bekommen den Spruch „Weniger ist mehr“ zu deinem Lebensmotto zu machen? Dann findest du in meinem Buch: „Minimalismus: Einfach mehr Leben – In 7 einfachen Schritten zu einem glücklichen und erfüllten Leben ohne unnötigen Ballast“ viele weitere hilfreiche Tipps. Dort erläutere ich dir genau, wie du dein Leben Schritt für Schritt auf das Wesentliche reduzieren kannst, ohne dabei wirklich auf etwas zu verzichten. Klicke hier, um mehr zu erfahren.

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